Auftakt von „Frau & Freiheit“ zeigt dringenden Handlungsbedarf im Landkreis Konstanz
Die Reihe, die künftig vierteljährlich Workshops, Diskussionen und Seminare zu den Themen Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Teilhabe bieten wird, wurde gemeinsam von der FDP Konstanz und den Jungen Liberalen Konstanz initiiert.
Zum Auftakt sprach Christine Barth, Leiterin des Konstanzer Frauen- und Kinderschutzhauses, mit Patrick Konopka, FDP-Landtagskandidat, und Lea Banger, Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Konstanz. Der Abend war geprägt von intensivem Austausch, vielen interessierten Fragen und einem offenen Blick auf die Herausforderungen, denen Frauen im Landkreis Konstanz gegenüberstehen.
Barth machte deutlich, vor welchen strukturellen Problemen das Frauenhaus derzeit steht. Sie forderte insbesondere mehr finanzielle und organisatorische Unterstützung durch den Landkreis sowie eine deutliche Verbesserung der Umsetzung des Gewalthilfegesetzes auf Landesebene.
„Es kann nicht sein, dass wir gewaltbetroffene Frauen nach Nordrhein-Westfalen schicken müssen, weil wir ihnen in Baden-Württemberg keinen Platz bieten können“, kritisierte Barth.
Besonders problematisch sei, dass in Baden-Württemberg nur Frauen mit Bürgergeldbezug Anspruch auf einen Frauenhausplatz haben. Diese Regelung führe dazu, dass viele Betroffene trotz akuter Gefahr keine Hilfe finden.
Darüber hinaus plädierte Barth für den Aufbau einer Täterberatungsstelle im Landkreis: „Wir tun viel zu wenig präventiv. Wenn wir Männer früher erreichen, können wir Gewalt verhindern – und das spart am Ende Leid und Kosten.“
Auch die Situation von Kindern im Frauenhaus blieb nicht unerwähnt. Kinder bis zwölf Jahre sowie Mädchen bis 18 leben dort gemeinsam mit ihren Müttern oft auf engem Raum.
Patrick Konopka, FDP-Landtagskandidat, machte auf die besondere Belastung für die Jüngsten aufmerksam: „Frauenhäuser leisten Außergewöhnliches – aber sie können die soziale und pädagogische Arbeit mit Kindern nicht allein stemmen. Wir brauchen mehr Brücken zwischen Jugendhilfe, Schulen und Frauenhausstrukturen.“
Konopka betonte zudem den Bedarf an mehr Sensibilität in den Schulen: „Wir müssen damit aufhören, Jungen und Mädchen mit zweierlei Maß zu messen. Prävention beginnt im Kindergarten.“
Auch die Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen, Lea Banger, unterstrich den politischen Handlungsauftrag: „Wenn wir Gewalt gegen Frauen wirklich wirksam bekämpfen wollen, braucht der Landkreis endlich eine eigene Täterberatungsstelle. Prävention darf nicht länger ein blinder Fleck sein.“
Der erfolgreiche Auftakt bestätigte die Relevanz des neuen Formats. Die Reihe „Frau & Freiheit“ wird im kommenden Jahr fortgesetzt – mit dem Ziel, Diskussionen anzustoßen, Bewusstsein zu schaffen und konkrete politische Verbesserungen für Frauen im Landkreis Konstanz voranzubringen.